Kitagawa Utamaro (1753-1806), Ehon Komachibiki, Set of twelve polychrome woodblock prints, 25.0 x 37.5 cm each. Japan, Tokugawa period, dated Kyôwa 2 / 1802, © Sammlung Sumisho, Tokyo / Sumisho Collection, Tokyo.

Katsushika Hokusai (1760-1849), Three Beauties on the Sumida riverbank, Framed, ink and colours on silk, 52.9 x 114.7 cm. Japan, Tokugawa period, ca. 1810-1819, © Sammlung Sumisho, Tokyo / Sumisho Collection, Tokyo.

Beauty and Sex: Images from the Floating World

Utagawa Hiroshige (1797-1858), Night View of Cherry Blossoms at Yoshiwara Daimon Gate, Hanging scroll, ink and colours on paper, 129.8 x 57.9 cm., Japan, Tokugawa period, Kaei – Ansei era (ca. 1848-1860), © Sammlung Sumisho, Tokyo / Sumisho Collection, Tokyo.

Hanne Darboven, Detail from Quartett >88<, 1988, 1989, Renaissance Society, Chicago, 2000.

 

Museen Dahlem
Museum
für Asiatische Kunst
Lansstrasse. 8
+49 (0)30 830 15 01
Berlin
Klaus F. Naumann Galerie
Schönheit und Eros –
Bilder der Fließenden Welt
von Hokusai,
Hiroshige, Utamaro
und anderen aus der Sammlung Sumisho,
Tokyo
17. Oktober 2008-
4. Januar 2009

Die Fließende Welt der Freudenviertel in Japans Metropolen Edo (heute Tokyo), Osaka und Kyoto brachte im 17. Jahrhundert eine einzigartige, hoch entwickelte Konsum- und Unterhaltungskultur hervor, die in Darstellungen schöner Frauen und körperlicher Liebe ihren vortrefflichsten Ausdruck fand. Die auf den Bildern verewigte Hauptattraktion der Viertel waren Kurtisanen. Sie erscheinen mit geschönten und unpersönlich stilisierten Gesichtern meist ohne individuellen Ausdruck. Mit Hilfe von modischer Kleidung, eleganten Frisuren und persönlichen Accessoires wie Kämmen, Haarnadeln und Pfeifen setzen sie sich dennoch wirkungsvoll als idealtypische Schönheiten in Szene.

Die Fließende Welt
Nur für den Augenblick leben, unsere volle Aufmerksamkeit den Freuden des Mondes, des Schnees, der Kirschblüten und des Herbstlaubs widmen, Lieder singen, sich am Trunk berauschen, sich hingeben und treiben lassen, nur treiben, keinen Gedanken auf die Armut verschwenden, die uns ins Gesicht starrt, sich nicht entmutigen lassen, sondern treiben wie ein Flaschenkürbis, der mit der Strömung des Flusses treibt — dies ist es, was wir die Fließende Welt nennen.

— Asai Ryôi: Ukiyo monogatari (Erzählungen aus der Fließenden Welt), ca. 1665.

Schauplatz dieser Fließenden Welt waren die Freudenviertel in Japans Metropolen Edo (heute Tokyo), Osaka und Kyoto. Dort entstand vom 17. bis ins 19. Jahrhundert eine einzigartige, hoch entwickelte Konsum- und Unterhaltungskultur, die in Darstellungen schöner Frauen und körperlicher Liebe, den Bildern aus der Fließenden Welt (ukiyo-e), ihren vortreffl ichsten Ausdruck fand. Mehr als zwei
Dutzend Rollbilder und etwa ebenso viele Graphiken bringen die Atmosphäre der Fließenden Welt diesen Herbst nach Dahlem. Die von dem Connoisseur und Kunsthändler Tsunoda Hideo zusammengetragenen Meisterwerke aus der Sammlung Sumisho, Tokyo, sind erstmals außerhalb Japans zu sehen.

Schöne Frauen
Die Hauptattraktion der Vergnügungsviertel waren Kurtisanen, die ihre Bewunderer gleichermaßen durch ihre körperlichen Reize wie durch Esprit, Modebewusstsein und Stil faszinierten. Ihre Schönheit wird durch weiß geschminkte, geschönte Gesichter betont, die in ihrer Stilisierung meist wenig individuellen Ausdruck erkennen lassen. Die Persönlichkeit der Frauen zeigt sich in modischer Kleidung, eleganten Frisuren und persönlichen Accessoires wie
Kämmen, Haarnadeln und Pfeifen. Die Stars der Fließenden Welt waren zugleich Mannequins, schönes Konsumobjekt und Vorbilder an Eleganz und Schönheit. Diese Schönheitengalerie dokumentiert nicht nur den Wandel des Schönheitsideals und der Mode in einem eindrucksvollen Loblied auf die Frauen des vormodernen Japan, sondern bietet auch einen veritablen Überblick über die Entwicklung der Malerei der Fließenden Welt vom 17. bis ins 19. Jh.

Eros
Fast alle Maler der Fließenden Welt waren zugleich auch sehr produktive Graphiker, die neben Bildern schöner Frauen und Szenen aus den Vergnügungsvierteln auch erotische Arbeiten schufen. Diese Frühlingsbilder (jap. shunga) genannten, expliziten Darstellungen der körperlichen Vereinigung von Mann und Frau sind ein besonderer Schwerpunkt der Sammlung Sumisho. In der Ausstellung ist das Genre mit je einem Dutzend vorzüglich erhaltener, überaus
freizügiger Blätter von Hokusai und Utamaro vertreten. Es ist das besondere Verdienst des Sammlers, ein vollständiges Bild des Oeuvres der Maler-Graphiker von subtiler Schönheit bis zu offener Erotik vorzustellen.

Die Ausstellung zeigt erstmals außerhalb Japans mehr als zwei Dutzend Rollbilder dieses Themas aus der Sammlung Sumisho des in Tokyo ansässigen Connoisseurs und Kunst-händlers Tsunoda Hideo. Sie reichen von frühen, anonymen Werken sowie Arbeiten des als Pionier der Malerei aus der Fließenden Welt (jap. ukiyo-e) bekannten Hishikawa Moronobu aus dem 17. Jh. über Schönheitenbildnisse von der Hand so bekannter Maler des 18. Jh. wie Miyagawa Choshun und Kitagawa Utamaro bis hin zu Beispielen der im Westen bekanntesten Repräsentanten des Ukiyo-e, Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige. So bietet diese Schönheitengalerie einen veritablen Überblick über die Entwicklung der Malerei der Fließenden Welt vom 17. bis ins 19. Jh. Darüber hinaus dokumentiert sie den Wandel des Schönheitsideals und der Mode in einem eindrucksvollen Loblied auf die Schönheit der Frauen des vormodernen Japan.

Rollbilder mit Ansichten der Vergnügungsviertel und Landschaften der in Europa vornehmlich für ihre graphischen Blätter bekannten Maler Hokusai und Hiroshige bilden einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung. Je ein Dutzend explizite Darstellungen der körperlichen Vereinigung von Mann und Frau, Frühlingsbilder (jap. shunga) genannt, von Hokusai und Utamaro vervollkommnen den Einblick in das Schaffen der Maler-Graphiker der Fließenden Welt und schlagen den Bogen von subtiler Schönheit zu offener Erotik.

Diese Ausstellung wird durch die Wechselpräsentationen Schön und Sexy mit Schönheitenbildnissen aus der Sammlung Klaus F. Naumann und dem Bestand des Museums für Asiatische Kunst in den Galerien Japanische Malerei (17.10.2008-22.2.2009) und Katsushika Hokusai — Mensch verrückt nach Bildern in der Galerie Japanische Graphik (17.10.2008-18.1.2009) ergänzt.

 

Anonymous, Beauty holding a sprig, Hanging scroll, ink and colours on paper, 42.1 x 26.7 cm., Japan, Tokugawa period, Kanbun era (ca. 1661-1673), © Sammlung Sumisho, Tokyo / Sumisho Collection, Tokyo.