Sophie Calle, Days Under the Sign of B, C & W, 1998, Collezione Raffaella e Silvestro Galioto, © Sophie Calle.

The Camera as Mirror and Interpreter in Photography and Video Art

Benjamin Bergmann, tief unten tag hell, 2008, Foto: Haydar Koyupinar.

Benjamin Bergmann, tief unten tag hell, 2008, Foto: Haydar Koyupinar.

 

Pinakothek der Moderne
Kunstareal München
Barer Strasse 40
+491089-23805-360
München
Female Trouble
Die Kamera als Spiegel
und Bühne weiblicher Inszenierungen
in Fotografie und Videokunst

July 17-October 26, 2008

Seit der Erfindung der Fotografie vor nahezu 170 Jahren haben vor allem Frauen das technische Medium genutzt, um sich oder andere in Rollenspielen und Maskeraden zu inszenieren. Neben der experimentellen Lust, das Ich immer wieder neu zu erschaffen, diente die Kamera auch als Möglichkeit, Klischees und Stereotypen weiblicher Repräsentation in Frage zu stellen. Das Spiel mit dem »Ewig« Weiblichen war und ist immer auch eine Auseinandersetzung mit geschlechtlicher Identität, ihrer gesellschaftlichen und politischen Definition sowie deren Überschreitung.

Im Fokus der Ausstellung stehen zeitgenössische Künstlerinnen wie Cindy Sherman, Sarah Lucas, Pipilotti Rist oder Monica Bonvicini, die mit Hilfe von Fotografie und Videokunst das Bild des Weiblichen untersuchen. Die Künstlerinnen gehen dabei der Frage nach, welche Bildmuster das mediale Zeitalter für Weiblichkeit bereit hält und wie diese Bilder die Wahrnehmung von Frauen bestimmen. Zugleich dekonstruieren sie mit humorvollen, ironischen oder provozierenden Mitteln die traditionelle Ikongrafie von Frauendarstellungen in der abendländischen Kunst und entwickeln alternative Bildentwürfe, die manchmal aggressiv und laut, manchmal subtil und hinterlistig neue Darstellungsmöglichkeiten postulieren.

Das Interesse an der Auseinandersetzung mit Bildprägungen des Weiblichen ist kein ausschließlich postmodernes Thema. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert haben Frauen wie die Gräfin Castiglione, die Surrealistin Claude Cahun oder die Künstlerinnen der Avantgarde, die Fotografie als Möglichkeit entdeckt, das Ich in unterschiedlichen Rollen zu erfahren und stereotype Weiblichkeitsdarstellungen als Maskerade zu decouvrieren. Der historische Rückblick zeigt, wie zeitgenössische Künstlerinnen an ihre Vorgängerinnen anknüpfen und einzelne Bildmotive und Themen über Generationen immer wieder aufgegriffen, erweitert und variiert werden.

Die Ausstellung »Female Trouble« bietet erstmalig im deutschen Sprachraum einen pointierten Überblick zum Wandel des Frauenbildes anhand von Fotografie und Videokunst. Sie ist nicht enzyklopädisch angelegt, sondern konzentriert den Blick auf Künstlerinnen und Künstler, deren Werk innovativ ist und zugleich vorbildhaft gewirkt hat. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Bild der Frau berührt dabei auch zentrale Fragenstellungen der Konstituierung von Identität im Allgemeinen sowie den biologischen, sozialen, kulturellen, politischen und medialen Einflüssen, die das Bild des Weiblichen wie des Männlichen bestimmen.

In der Ausstellung
vertretene Künstler/innen

Diane Arbus, Gertrud Arndt, Marta Astfalck-Vietz, Monica Bonvicini, Claude Cahun, Sophie Calle, Julia Margaret Cameron, Comtesse de Castiglione, Marcel Ducham/Man Ray, VALIE EXPORT, Nan Goldin, Lady Clementina Hawarden, Florence Henri, Hannah Höch, Birgit Jürgenssen, Jürgen Klauke, Astrid Klein, Germaine Krull, Nikki S. Lee, Sarah Lucas, Urs Lüthi, Robert Mapplethorpe, Björn Melhus, Ana Mendieta, Tracey Moffat, Pierre Molinier, ringl + pit, Pipilotti Rist, Daniela Rossell, Tomoko Sawada, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Mathilde ter Heijne, Madame Yevonde, Wanda Wulz Francesca Woodman und andere.

 

ringl+pit, Petrol Hahn, 1931, The Metropolitan Museum of Art, New York, © The Metropolitan Museum of Art.