Li Zhanyang, Wu Song Killing his Elder Brother's Wife (big), 2005, Bronze, edition of 4, 102 x 75 x 76 cm. |
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Mining the Classical, while Representing the Taboos of Sexual Repression |
Galerie Urs Meile Assoziationen zu "Sex" lassen sich in einem großen Anteil der Themen anstellen, die Li Zhanyang in seinen Werken verarbeitet. Hinsichtlich seiner Herangehensweise fällt bald auf, dass diese sich allgemein in zwei Gattungen unterteilen lassen: die erste beruht auf der Beobachtung des Alltags und stellt "Szenenskulpturen" dar, die meist viele Figuren haben und oft eine marktplatzartige Atmosphäre schaffen — beispielhafte Arbeiten sind etwa Night Scene in Chongqing, Lido oder Nanshan Restaurant. Die andere Werkgruppe besteht aus Re-Interpretationen von Szenen aus der chinesischen Geschichte oder Sagenwelt; sie zeigen nur wenige Figuren und sind viel fokussierter. Typisch für diese Arbeiten sind etwa The Golden Lotus, Wu Song Killing his Elder Brother’s Wife und Temptation. Der hochgradig humoristische, ja spöttische Stil, den der Künstler bei beiden Werktypen einsetzt, bricht mit traditionellen Tabus. Li Zhanyang lässt nicht nur die gezeigten Personen mit einer Körperlichkeit inkarnieren, die der klassischen chinesischen Kunst völlig fremd ist, sondern verleiht seinen Darstellungen auch jene Libido, die eine so wesentliche Rolle in der Thematik dieser Arbeiten spielt. So offenbart er dem Betrachter eine ganz neue Sichtweise und veranlasst ihn zum Überdenken seiner Vorstellungen von Geist und Körper – was traditionellen Kunstwerken nur mit großen Schwierigkeiten gelingt. Diese vom Konfuzianismus und der linken politischen Kultur neueren Datums geprägte sehr weltliche Tradition setzte nicht nur den Sexualtrieb mit "böse" gleich, sondern richtete außerdem viele schwerwiegende Strafen für sexuelle Lusterfüllung ein — mit dem Ergebnis, dass Sex für Chinesen seit jeher eher mit unangenehmen Konnotationen befrachtet ist. Über einen sehr langen Zeitraum hinweg hat sich dergestalt das Klima einer ebenso sexuellen wie physischen Unterdrückung breitgemacht. Auf diese durchaus schädliche Entwicklung hat unsere Kultur reagiert, indem sie eine Politik der Vermeidung und des Verschweigens der gesamten Problematik einführte, denn vom "asketischen" Standpunkt her sind ja Libido und Fleischlichkeit sündhafte Impulse, die gewaltsam gezügelt gehören. In den Augen etlicher westlicher Denker ist dies zwar ein sehr logischer, ja rationaler Ansatz zur Unterdrückung der Libido, doch im Endeffekt wird den Menschen damit ein wesentlicher Aspekt der menschlichen Natur genommen. Denn der Mensch der Moderne befriedigt seine (berechtigten) fleischlichen Bedürfnisse und tritt der repressiven Kraft einer solchen Rationalität offensiv entgegen. Durch Chinas Politik der Reformen und der Öffnung ist mit dem beträchtlichen Anstieg der materiellen Lebensstandards sowie dem unerbittlichen Ansturm der Popkultur zugleich auch der Einfluss und die Verbreitung westlicher Werte in Bezug auf Sex und "den Körper" gewachsen — Werte, die sich etwa in Marquis de Sades Verherrlichung der fleischlichen Lüste, Sigmund Freuds detaillierter Darlegung der Libido oder der profunden Analyse des Körpers aus der Perspektive eines Pierre Bourdieu äußern —, und die Einstellung der Chinesen zum Sex hat dadurch einen nie dagewesenen Grad der Befreiung erlebt. Auch Li Zhanyangs Werk ist vor diesem kulturellen Hintergrund entstanden, und das zeigt sich in seinen Darstellungen von Menschen, die sich besonders heftig gegen die historische sexuelle Repression wehren und die extremsten Überkompensationen dafür vollführen. Eine weitere Facette ist hier das Phänomen des zwanghaften Exzesses in der Konsumgesellschaft: jemand wird zum Objekt der Begierde, der Körper tritt an die Stelle der Seele – und so verweist Li Zhanyang ebenso deutlich auf die gesellschaftlichen Defizite im Wertesystem wie auf die Dringlichkeit dieser Probleme. Daneben deutet er auch an, dass manche Menschen andere Menschen lediglich als privates Vehikel zur Flucht vor den Realitäten von Repression und Härte erleben. Was das Konzept der "Realität" in Li Zhanyangs Arbeiten angeht, so bildet er so genannte Tatsachen — in Wahrheit ist es eher das Resultat einer konkreten Idee oder Vorstellung — als Wahlmöglichkeit oder vielmehr als Kompromissergebnis ab. In Wu Song Killing his Elder Brother’s Wife zum Beispiel variiert Li Zhanyang ein Detail der überlieferten Volkserzählung — indem er Wu Song die Brüste der ehebrecherischen Pan Jinlian küssen lässt, ehe er sie ersticht — und verweist so auf die komplexe Natur der menschlichen Psyche. In seinem künstlerischen Ausdruck greift Li Zhanyang den traditionellen Asketizismus vehement an und stellt bewusst sehr körperliche, reizvoll-prickelnde, erotisch-vulgäre und spärlich bekleidete Sujets dar, um so das klassische Gepräge der chinesischen Kunst — Eleganz, Anstand, Erhabenheit, Geschmack und Konventionen — absichtsvoll zu unterlaufen. Indem er Anleihen sowohl bei den Techniken der chinesischen Volkskunst als auch bei Jeff Koons und ähnlichen westlichen Kollegen nimmt, gelingt es ihm, über einen Prozess der Integration und anschließenden Transformation seine ebenso eigene wie einzigartige künstlerische Gestalt herauszuarbeiten. Um Li Zhanyangs Kunst zu begreifen, muss man daher seinen intellektuellen Ansatz und seinen Stil als Ganzes betrachten. Die von Li Zhanyang eingesetzte Methode, die zunächst als spöttische Komik anmutet, ist somit nicht nur von rein formalen Erwägungen geprägt, sondern auch von dem Wunsch, seine Gedanken im Rahmen der Kunst auf rein subjektive Weise auszudrücken; daher ist dies für den Künstler das einzige Mittel, sich mit seinen Motiven auf angemessene Weise auseinanderzusetzen. — Lu Hong, 2. Dezember 2008, Museum der Bildenden Künste, Shenzhen |
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Li Zhanyang, The Monk and the Nun, 2006, Fiberglass, 63 x 184 x 103 cm, 1 of 4.
Li Zhanyang, Marble Ass, 2004, Marble, 14 x 38 x 28 cm., 1 of 4.
Li Zhanyang, In Memory of Jones, 2008, Fiberglass, wool, glass, 77 x 115 x 75 cm, 1 of 4.
Li Zhanyang, The Dream of a Horse and a Girl, 2002, Fiberglass, 34 x 54 x 15 cm, edition of 4.
Li Zhanyang, with Pig Foot, 2008, edition of 4, Marble, 29 x 137 x 58 cm. |
Li Zhanyang, Circumcision, 2006, Bronze, 75 x 102 x 68 cm, edition of 4. |
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