Stephan Balkenhol, 57 Pinguine, 1991, Zwischen 130 und 160 cm, Wawaholz, farbig gefasst, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, © VG BILD KUNST, Bonn.

A Legend of Contemporary Sculpture Returns Home to Hamburg

Stephan Balkenhol, Grindelhochhäuser, Hamburg, 2004, 200 x 150 x 4 cm., Relief, Wawaholz, farbig gefasst, Privatsammlung, Deutschland, © VG BILD KUNST.

Stephan Balkenhol, Instrumentenkörper mit Stab, 2007, Pappelholz, farbig gefasst, Stab: 206 x 15,5 x 15,5 cm., Körper: 203 x 103 x 33 cm., Deweer Art Gallery – Oteg, © VG BILD KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, 12 Freunde (12-teilig), 1988, Relief, je 100x70x10 cm, Kiefernholz, farbig gefasst, Kunstmuseum Basel- Museum für Gegenwartskunst mit Emanuel Hoffmann-Stiftung, © VG BILD-KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, Dreier-Gruppe, 1985, 200x200x30 cm, Höhe: je 150 cm, Rotbuche, farbig gefasst, Sammlung Elisabeth Ruhland, Erkrath, © VG BILD-KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, Vasa. 2003, 200 x 300 x 4,5 cm., Privatsammlung, Stockholm, © VG BILD KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, Kuhkopf, 1983, Eiche, farbig gefasst; 70 x 40 x 50 cm., Privatbesitz, © VG BILD KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, Relief Frau und Mann, 1986, 200 x 200 10 cm., Privatsammlung, Hamburg, © VG BILD KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, Männlicher Kopf mit Halo, 2008, Douglastanne, farbig gefasst, 191 x 80 59,5 cm, Wand Panel: 200 x 198,5 x 4,5 cm, Stephen Friedman Gallery, London, © VG BILD KUNST, Bonn.

 

Deichtorhallen,
Haus der Photographie
Deichtorstrasse 1-2
+ 49 (0) 40-321030
Hamburg
Stephan Balkenhol
November 14, 2008-February 1, 2009

By ROBERT FLECK

Das Werk von Stephan Balkenhol, dem wohl bedeutendsten deutschen Bildhauer, wird vom 14. November 2008 bis 1. Februar 2009 auf rund 3000 qm in der großen Deichtorhalle vorgestellt. Seine Holzskulpturen, Reliefs, Wandbilder und Zeichnungen sind weltweit bekannt. In Hamburg gehört er zu den präsentesten Künstlern im öffentlichen Raum.

Menschen, Tiere, Architekturen sind seine bevorzugten Themen. Die oft grob gearbeiteten und farbig bemalten Werke hinterfragen durch zahlreiche Variationen eines Grundtypus die Tradition der klassischen Skulptur.

Die Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg wird etwa hundert Arbeiten umfassen, darunter Skulpturen, Reliefs, Wandbilder und Fotografien. Einen Teil der Ausstellung wird Stephan Balkenhol mit neuen Werken bestreiten, die zwischen Herbst 2007 und Sommer 2008 speziell für die große Deichtorhalle entstanden. Diese Arbeiten rhythmisieren einen nichtchronologischen Parcours mit zentralen Arbeiten seit 1982, darunter die wichtigsten Ensembles aus den frühen Jahren Balkenhols in Hamburg sowie berühmte Arbeiten und Werkgruppen, welche die Geschichte der Bildhauerei in den letzten drei Jahrzehnten mit geprägt haben.

Balkenhols Arbeit ist besonders eng mit Hamburg verbunden, da er in der Stadt nicht nur studierte, sondern im Atelier in Volksdorf auch zu seinem Stil fand und diesen in mehr als zehn Jahren des Schaffens in Hamburg entwickelte. Im Dialog mit der einzigartigen architektonischen Situation der großen Deichtorhalle soll die Ausstellung die ungewöhnliche Raumbeherrschung dieses Bildhauers vor Augen führen, seinen Umgang mit unterschiedlichen Maßstäben und Themen.

Zur Ausstellung erscheint ein vom Künstler konzipiertes Katalogbuch im Snoek-Verlag, Köln, mit Installationsaufnahmen und schriftlichen Betrachtungen von Autoren unterschiedlichster fachlicher Herkunft (Psychologie, Literatur, Soziologie, Philosophie, Kulturwissenschaft und Kunstgeschichte) zum bildhauerischen Werk von Stephan Balkenhol. Autoren: Robert Fleck, Lazlo Glozer, Thaddäus Hüppi, Hans-Joachim Maaz, Thomas Macho, Christian Michelsen, Michaela Nolte, Klaus Theweleit, Dieter Wellershoff, Harald Welzer.

Stephan Balkenhol
Zur Ausstellung
in den Deichtorhallen Hamburg

Die Ausstellung von Stephan Balkenhol in den Deichtorhallen Hamburg ist nicht nur als eine Werkschau angelegt, sondern bewusst als Rückkehr an seinen genius loci, in die Stadt, in der seine künstlerische Arbeit entstand, ihre Form annahm und auch den Weg zu Kunstfreunden und dem breiteren Publikum fand.

Stephan Balkenhol kennt die große Deichtorhalle noch aus der Zeit vor ihrer Umgestaltung zur Ausstellungshalle 1989. Er hat nach der Eröffnung der Deichtorhallen Hamburg als Ausstellungszentrum internationaler aktueller Kunst die Ausstellungen in diesem Haus intensiv verfolgt, da er selbst bis 1992 in Hamburg lebte und arbeitete. 1993 stellte er in der Ausstellung Post Human selbst in spektakulärer Weise an der großen Deichtorhalle aus, indem er zwei Holzreliefs in die beiden Giebel der großen Halle setzte. Für seine erste Einzelausstellung in den Deichtorhallen Hamburg — seine bislang größte Ausstellung überhaupt — hat sich Stephan Balkenhol gewünscht, die bedeutendsten der vielen frühen Skulpturen aus seiner Hamburger Zeit, die sich zu einem großen Teil bei Sammlern aus Hamburg und der unmittelbaren Umgebung befinden, erstmals wieder zusammenzuführen. Seit zwei Jahren arbeitet er in Erwartung dieses Wiedersehens mit den frühen Skulpturen an einer großen Anzahl neuer Skulpturen (in der Ausstellung werden etwa dreißig neuer Skulpturen dieser Art zu sehen sein), die dazu konzipiert wurden, um in jedem einzelnen Ausstellungsraum mit den frühen Arbeiten in Dialog zu treten. Auf diese Weise ergibt sich eine Art Familientreffen, in dem sein Frühwerk (mit den ersten großformatigen Holzskulpturen überhaupt in seinem Werk) – von Saal zu Saal unterschiedlich – mit den speziell für Hamburg geschaffenen Skulpturen der 2000er Jahre zusammentrifft.

Parcours der Ausstellung
Stephan Balkenhol hat auch selbst die Abfolge der Ausstellungsräume entworfen. Die Ausstellung beginnt mit drei kleineren, aufeinander folgenden Sälen, in denen sich u.a. frühe Ganzkörperskulpturen aus Hamburger Sammlungen neben neuen skulpturalen Figuren aufhalten.

Danach tritt der Ausstellungsbesucher in den Hauptraum im rückwärtigen Teil der großen Deichtorhalle, in dem fünf lang gezogene Paravents mit integrierten großformatigen Holzreliefs unterschiedliche Zwischenformen von Skulptur und zweidimensionalem Bild vor Augen führen.

Die Seitenräume verwandelt der Künstler durch unterschiedlich hohe Treppen in eine Hügellandschaft, in der thematische Räume präsentiert werden: einen Musikraum mit instrumentenähnlichen Skulpturen, deren Flächen Menschendarstellungen tragen; einen Spielraum mit unterschiedlichen Interpretationen von Gesellschaftsspielen wie Mensch ärgere dich nicht und Dame; einen Tierraum mit einem Modell der Giraffe von Hagenbecks Tierpark usw.

Vom Hauptraum aus gelangt der Besucher in ein Geflecht aus vier mittelgroßen Räumen, die durch eine Art „Kreuzung“ in der Mitte betreten werden. In diesen Räumen finden sich legendäre Werkensembles von Stephan Balkenhol wie die 57 Pinguine (Museum Moderner Kunst Frankfurt am Main) und die Meerjungfrau, die 1997 für den Aussichtsraum auf der Zugspitze entstand. Dieser gesamte Bereich der Ausstellung ist durch eine Art Segeltuch auf etwa sechs Meter Höhe mit einem dezenten visuellen Abschluss nach oben versehen.

Erst am Schluss der Ausstellung öffnet sich für den Besucher in spektakulärer Weise der Blick in die Höhe der Deichtorhalle. Hier findet sich die 5,5 Meter hohe Säule aus Fellbach, in der Menschen in unterschiedlicher Blickrichtung in einem Baumstamm zu stehen scheinen.

Für den Außenraum konzipiert Stephan Balkenhol derzeit ein Keramikrelief für den Giebel über dem Haupteingang der großen Deichtorhalle, welches das Holzrelief aus der Ausstellung „Post Human“ von 1993 an der gleichen Stelle weiterführt.

Mit Stephan Balkenhol zeigen die Deichtorhallen einen weltweit präsenten deutschen Bildhauer, dessen Bedeutung für die Entwicklung der Skulptur insgesamt noch nicht genug gewürdigt wurde. Balkenhols Werk geht weit über die Thematik des Figürlichen in der zeitgenössischen Skulptur hinaus. Es erweist sich im Überblick, den unsere Ausstellung zu bieten versucht, als eine authentische Fortführung der Minimal Art und der Konzeptkunst, indem es diese beiden für den Künstler prägenden Kunstrichtungen der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, hin zum Menschenbild und zur Darstellung des Lebens und seiner Emotionen öffnet. Zugleich bildet das skulpturale Werk von Stephan Balkenhol ein eigenes Universum, eine Art Arche Noah im großen Stil, in der dem Besucher der Ausstellung etwa 120 Menschen, Tiere und große Gegenstände in einer zeit- und bewegungslosen Haltung entgegentreten, die wie in einem angehaltenen Augenblick und zugleich wie ein Spiegel unserer Gesellschaft der Gegenwart wirken.

Stephan Balkenhol und Hamburg
Das Werk von Stephan Balkenhol weist eine enge Verbindung zu Hamburg auf. Der Künstler studierte von 1976 bis 1982 Kunsterziehung an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, vor allem in der Klasse von Prof. Ulrich Rückriem, und war danach dessen Assistent. Von 1976 bis 1992 lebte und arbeitete Stephan Balkenhol in einem Gartenhaus mit großem Grundstück in Hamburg-Volksdorf, wo sein improvisiertes Zelt zur witterungsunabhängigen Erarbeitung der monumentalen Skulpturen (u.a. für London und Münster) legendenumwoben war. Mit insgesamt sechs großen Skulpturen im öffentlichen Raum (die vier Bojenfiguren auf der Elbe und auf der Außenalster (...), die Giraffe mit Mann am Eingang zu Hagenbecks Tierpark (2001) und das Paar Mann und Frau vor dem Hühnerposten / Zentralbibliothek unweit der Deichtorhallen (2004) steht Stephan Balkenhol wie kein anderer Künstler stellvertretend für das Hamburger Programm Kunst im öffentlichen Raum, das seit den 1980er Jahren breite internationale Beachtung findet. 1991 — zu Beginn der Direktion von Uwe M. Schneede — veranstaltete die Hamburger Kunsthalle eine Einzelausstellung des Künstlers, die Balkenhols Köpfe mit der klassizistischen Architektur des Kuppelsaals konfrontierte. Frühe Einzelausstellungen des Künstlers zeigten der A.O. Kunstraum Hamburg (1985) und das Westwerk Hamburg (1990). Der Verein Neue Kunst in Hamburg förderte Stephan Balkenhol bereits 1986/87, als sein Reiterstandbild in der Ausstellung Jenisch-Park- Skulptur als erste monumentale Arbeit im Außenraum realisiert wurde. Seit 1994 wird der Künstler auch von der Hamburger Galerie Dörrie & Priess vertreten. Der Künstler hat überdies einige seiner treuesten und engagiertesten Sammler in Hamburg, deren Leihgaben von Hamburg aus in seine Ausstellungen in die ganze Welt gehen.

Stephan Balkenhol
und die Deichtorhallen Hamburg

Stephan Balkenhol war in den Deichtorhallen Hamburg in der viel beachteten Ausstellung Post Human (1993) mit Reliefs an der Außenfassade der großen Deichtorhalle vertreten (heute in der Sammlung des Kunstmuseums Leipzig), die der Künstler für seine Werkschau am gleichen Ort 2008 mit einer neuen Arbeit an der Fassade fortsetzt, weiterhin in Das Jahrhundert des Multiple (1994) und „15 Jahre Deichtorhallen“ (2004).

Wichtige Einzelausstellungen
Renommierte deutsche und internationale Museen zeigten seit 1987 Einzelausstellungen des Künstlers, darunter Kunsthalle Witte de With, Amsterdam (1992), Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (1989 und 2006), Kunsthalle Basel (1988), Kunstverein Braunschweig (1987), The Arts Club of Chicago (1998), The Contemporary Arts Center, Cincinnati (2000), MKM Museum Küppersmühle für moderne Kunst, Duisburg (2006), Hamburger Kunsthalle (1991), Sprengel Museum, Hannover (2003), Museum der bildenden Künste, Leipzig (2001), Saatchi Gallery, London (1996), Musée des Beaux-Arts, Montréal (1996), The National Museum of Art, Osaka (2005), Museum der Moderne, Salzburg (2006), Centro Calego de Arte Contemporanea de Santiago de Compostella (2001), Tel Aviv Museum of Art (2005), Galleria Civica di Arte Contemporaneo, Trento (1999), Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C. (1995), BAWAG-Foundation, Wien (1999), Kunstmuseum Wolfsburg (1998), Von der Heydt-Museum Wuppertal (1998).

Wichtige Ausstellungsbeteiligungen
von Stephan Balkenhol

Skulptur Projekte Münster, Münster 1987, The Binationale: German Art of the Late 80s/American Art of the Late 80s, Kunsthalle Düsseldorf und Kunstsammlung NordrheinWestfalen, Museum of Fine Arts, Boston 1988, Possible Worlds: Sculpture from Europe, Serpentine Gallery, London 1990, Eröffnungsausstellung und Szenenwechsel I-XX, Museum moderner Kunst, Frankfurt am Main 1991-2001, Double Take: Collective Memory and Current Art, Hayward Gallery, London und Kunsthalle Wien 1993, Qui, quoi, où: Un regard sur l’art en Allemagne en 1992, ARC, Musée d’art moderne de la Ville de Paris 1992, Africus: Johannesburg Biennale 95“, Johannesburg 1995, Zeichen & Wunder. Niko Pirosmani (1862-1918) und die Kunst der Gegenwart, Kunsthaus Zürich und Centro Calego de Arte Contemporanea de Santiago de Compostella 1995, Carnegie International, Pittsburgh 1995, Les Champs de la Sculpture, Paris 1999, gesammelte räume/gesammelte träume (Sammlung Grothe), Martin-Gropius-Bau, Berlin 1999, Fotografierte Bilder – Wenn Maler und Bildhauer fotografieren..., Museum Bochum 2001, The Photogenic: Photography through It s Metaphors in Contemporary Art, Institute of Contemporary Art, University of Pennsylvania 2002, Durchgehend geöffnet, Sammlung Frieder Burda, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden 2003, Heiliger Sebastian, Kunsthalle Wien 2003, Sculpture Project. More London, London 2003, Land auf. Land ab, Sammlung Würth, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall 2004, Sammlung Plum, Museum Kurhaus Kleve 2004, Für die Konstruktion des Unmöglichen, European Kunsthalle Köln 2004, Parkett – 20 Years of Artists’ Collaborations, Kunsthaus Zürich 2004, 25 Jahre Sammlung Deutsche Bank, Deutsche Guggenheim, Berlin, Mori-Art Museum, Tokio 2005, (my private) HEROES, MARTa Herford, Museum für zeitgenössische Kunst, Herford 2005, The Theatre of Art, Villa Manin, Codroipo 2005, figur/sculptur, Sammlung Essl, Klosterneuburg 2005, Figures in the Field, Museum of Contemporary Art, Chicago 2006, La Force de l’Art, Grand Palais, Paris 2006.

— February 9, 2008

Stephan Balkenhol, Grosser Mann mit grünem Hemd, 1984, Pappelholz, farbig gefasst, 235 cm hoch, Privatsammlung, Hamburg, © VG BILD KUNST, Bonn.

Stephan Balkenhol, Köpfe Mann und Frau, 1982, Pappelholz, bemalt, je 90 cm hoch, Museum Ludwig, Köln, © VG BILD KUNST, Bonn.